Poetik-Dozentur Sommer 2010

 

vom 24. – 27. Januar 2010 mit Eugen und Nora Gomringer

Die Landauer Poetik-Dozentur wird von Eugen Gomringer und seiner Tochter Nora Gomringer eröffnet. Die Vorlesung, das Podiumsgespräch und ihre Literaturperformance fanden vom 15. bis 17 Juni 2010 jeweils um 20 Uhr im Audimax und im Universum Kinocenter statt.

Eugen Gomringer,

1925 in Bolivien geboren,

gilt als Vater der „Konkreten Poesie“.

 

Er war einer der ersten, der nach 1945 die herkömmlichen Schreibweisen in der Lyrik radikal änderte und den Grundstein legte für die experimentelle Nachkriegsliteratur. Die „Konkrete Poesie” der 60er Jahre wurde zum Markenzeichen eines anderen Umgangs mit Sprache: einfallsreiche Versuche, jenseits des normalen Sinns an die sinnliche Seite von Texten heranzukommen und die Schriftzeichen als visuelle Formen zu entdecken. Der Buchstabe wird nun nicht nur als Notat von Bedeutung betrachtet, sondern als selbstwertige Gestalt gesehen.

Nach seinem Studium der Ökonomie und Kunstgeschichte in Bern und Rom war Gomringer ab 1954 an der Ulmer Hochschule für Gestaltung Sekretär von Max Bill, dem bekanntesten Vertreter der Züricher Schule für Konkrete Kunst. In der Folgezeit war er außerdem Kulturbeauftragter der Firma Rosenthal und ab 1977 Professor für Ästhetik an der Kunstakademie Düsseldorf. Eugen Gomringer ist Mitbegründer der Zeitschrift „Spirale” und Herausgeber zahlreicher Künstlermappen sowie der Anthologien „konkrete poesie” und „Visuelle Poesie”. Zu seinen bekanntesten Veröffentlichungen zählen u.a. „konstellationen” (1953), „Kein Fehler im System” (1978), „Das Stundenbuch” (1965) „Quadrate aller Länder” (1992) sowie „Eines Sommers Sonette” (2008). Nach weltweiten Vortragsreisen lebt Eugen Gomringer heute in Rehau (Oberfranken), wo er das Institut für Konstruktive Kunst und Konkrete Poesie gegründet hat. Gomringer ist Mitglied des PEN-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland, des Deutschen Werkbundes Bayern, des Schweizer Werkbundes und der Swiss Industrial Designers. Er ist Träger des Bayerischen Verdienstordens.

 

Beispiele der „Konkreten Poesie“ von Eugen Gomringer.

 

 

Nora Gomringer,

geboren 1980,

ist Schweizerin und Deutsche.

 

 

Sie lebte u.a. vier Jahre in den USA, wo sie enge Kontakte zur Performance-Poesie-Szene pflegte und war Gast zahlreicher Poesiefestivals im In- und Ausland (z.B. Roskilde und San Francisco). Zuletzt war sie auf Einladung des Goethe-Instituts in den USA. Sie veröffentlichte den vom Feuilleton hoch gelobten Gedichtband „Sag doch mal was zur Nacht” (Voland & Quist, 2005), außerdem erschienen ihre Texte in Anthologien, Schulbüchern und Zeitschriften. Sie zählt zu den Hoffungsträgern der deutschen Literaturszene. Im Jahr 2003 erhielt sie den Hattinger Förderpreis für Literatur, 2006 den Förderpreis der Kulturstiftung Erlangen. 2007 wurde sie mit dem Kunstförderpreis des Freistaates Bayern (Sparte Literatur) und dem Bayerischen Kulturpreis ausgezeichnet. Im Mai 2008 folgte der Nikolaus-Lenau-Lyrikpreis.

 

Nora Gomringer gilt als ungewöhnliches und viel versprechendes Talent. Bereits mit 19 Jahren veröffentlichte sie ihren ersten Lyrikband „Silbentrennung“. „Ich werde etwas mit der Sprache machen” heißt ein Gedicht aus „Klimaforschung”. Was Gomringer tatsächlich alles damit macht, wird nicht nur bei der Lektüre ihrer Texte deutlich, sondern vor allem, wenn man eine Lyrik-Performance von ihr erlebt. Dann kann man hören, wie die regelmäßig an Poetry Slams teilnehmende Autorin schreit, zischelt, flüstert, die Worte dehnt, abfeuert, herumwirbelt und hin und wieder sogar singt, dabei aber nicht nur die Großwetterlagen, sondern auch feine Nuancen von Klang und Sprache auslotet. Nicht umsonst schmücken schon einige bedeutende Preise die Vita der jungen Autorin, die ab April 2010 das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia in Bamberg leitet.

 

Einige Eindrücke: