Projektbeschreibung MULEWF

Das Ziel des Kooperationsprojekts zwischen der AG Umweltökonomie der Universität Koblenz-Landau und dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz bestand in der Identifikation und Quantifizierung von Ökosystemdienstleistungen (ÖSD), die im Rahmen von Gewässerentwicklungsmaßnahmen entstehen. Hierbei sollten insbesondere die Möglichkeiten und Grenzen einer Monetarisierung dieser ÖSD mittels umweltökonomischer Bewertungsverfahren untersucht werden. Eine solche Monetarisierung, d.h. das Ausdrücken der entstehenden Nutzen in Geldeinheiten, dient der Vergleichbarkeit unterschiedlicher Nutzenkategorien z.B. von Hochwasserschutz, Herstellung von Natürlichkeit o.ä. und schließlich der Möglichkeit der Aggregierung zu einem Gesamtwert der betrachteten Maßnahmen. Nach Möglichkeit sollten die einzelnen ÖSD separat identifiziert und monetär quantifiziert werden. Als Ergebnis des Projekts sollten die monetären Werte der Änderung von ÖSD ermittelt und dabei gleichzeitig analysiert werden, wie valide diese monetären Werte für die jeweiligen ÖSD ermittelt werden können, so dass sie ggf. in zukünftige Entscheidungen über Förderquoten von Maßnahmen Eingang finden können.

Das Vorhaben wurde anhand von zwei Projektgebieten, der Queich in der Südpfalz und der Wied im Westerwald durchgeführt. Diese Gebiete unterscheiden sich deutlich einerseits hinsichtlich ihrer natürlichen Gegebenheit und andererseits hinsichtlich ihres Grades der Zielerreichung der WRRL-Ziele. Hierdurch sollte hinsichtlich der in Rheinland-Pfalz vorliegenden Bedingungen eine größtmögliche Bandbreite abgedeckt werden.

Zusammenfassend  kann  durch  diese  ökonomische  Studie  bestätigt  werden,  dass  die  Aktion Blau  und  ihre  Weiterentwicklung  zur  Aktion  Blau  Plus  zum  überwiegenden  Teil  mit  den  Wünschen der Bevölkerung hinsichtlich der Gewässerentwicklung in Rheinland-Pfalz übereinstimmt. Die Menschen sind weiterhin dazu bereit, dass, wie zur Zeit der Fall, Mittel aus der Abwasserabgabe und dem Wassercent für die im Rahmen der Aktion Blau Plus verfolgten Maßnahmen zur Gewässerentwicklung eingesetzt werden. Sie sind auch dazu bereit, in Zukunft, wenn nötig, weitere finanzielle Beiträge zur Erreichung der genannten Zielsetzungen zu leisten. Dabei gibt es  eine  klare  Prioritätensetzung:  Der  ökologische  Zustand  wird  uneingeschränkt  als  der  wichtigste Aspekt betrachtet, gefolgt von Aspekten der Nutzung der Gewässer durch den Menschen sowohl innerorts als auch, etwas eingeschränkt, außerorts, solange dies nicht den ökologischen Zielen zuwider läuft. Die geringste Priorität in den im Rahmen der Studie untersuchten Regionen nimmt der Hochwasserschutz ein, der in der Größenordnung eines 50- bis 100 jährlichen Hochwasserschutzes  gewünscht  wird.  Über  100  jährliche  Hochwasser  hinausgehende  Schutzziele werden jedoch in den hier betrachteten Untersuchungsregionen als übertrieben angesehen und es besteht keine Bereitschaft, hierzu finanziell beizutragen.

Aus methodischer Sicht kann gezeigt werden, dass mithilfe von Choice Experiments die einzelnen  Aspekte  und  Ziele  von  Maßnahmen  zur  Gewässerentwicklung  monetär  bewertet  werden können.  Diese  Werte  können  bislang  vorwiegend  zur  Abschätzung  der  Größenordnung  der Einzelaspekte und zum relativen Vergleich verwendet werden, die Berechnung von Gesamtwerten von Maßnahmenpaketen ist derzeit aufgrund einer kontroversen Diskussion in der umweltökonomischen Literatur nur sehr eingeschränkt möglich. Die Studie verdeutlicht zudem, dass für eine  zuverlässige  Abschätzung  der  monetären  Werte  Choice  Experiments  auf  verschiedenen Ebenen,  d.h.  zum  einen  auf  der  Ebene  des  Vergleichs  und  Abwägens  von  übergeordneten Kategorien wie Hochwasser, Ökologie, Erholung etc. und zum anderen innerhalb dieser Kategorien nötig ist. Auf diese Weise können umweltökonomische Bewertungsstudien einen wichtigen Beitrag zur Abschätzung der Bedeutung der Aktion Blau Plus leisten.

Der vollständige Abschlussbericht kann HIER heruntergeladen werden.